Nachhaltigkeit – ein Begriff macht Karriere

Man kann auf die Webseite eines x-beliebigen Konzerns schauen – fast überall wird man dem Stichwort „Nachhaltigkeit“ begegnen … und meist sogar an prominenter Stelle.
Ursprünglich – schon seit dem Spätmittelalter – ein Begriff aus der Fortswirtschaft mit sehr klarer Bedeutung: nachhaltig zu wirtschaften bedeutete, nicht mehr Holz einzuschlagen als im selben Zeitraum nachwachsen konnte.
Dieses Nachhaltigkeitsverständnis wurde im 19. Jahrhundert auf andere Bereiche wie z.B. den Fischfang übertragen, im 20. Jahrhundert dann aber durch die Vorstellung eines „nachhaltigen Wachstums“ ersetzt – und dieses wiederum wurde als ein von den natürlichen Lebensgrundlagen weitgehend abgekoppeltes, kapitalbasiertes Wirtschaftswachstum verstanden.

Ende des 20. Jahrhunderts schaffte der Nachhaltigkeitsbegriff schließlich mit der Brundtland-Kommission seinen politischen Durchbruch. Nachhaltige Entwicklung definiert diese Kommission als eine Entwicklung, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Allerdings ist auch hier kritisch zu fragen, ob der Natur nicht auch noch ein Eigenrecht jenseits aller menschlichen Bedürfnisse zusteht.

Im Laufe seiner weiteren Karriere erlitt der Begriff dann ein typisches Schicksal: er wurde immer mehr von seiner klaren ursprünglichen Bedeutung entkoppelt. Da er positiv besetzt ist und weitgehend interpretationsoffen, kann er leicht für unterschiedlichste Interessen und Zielsetzungen verwendet werden:

— Einerseits kann alles unter dem Stichwort Nachhaltigkeit präsentiert werden, was in irgendeiner Weise mit Bemühungen zu Umweltschutz, Ressourcenschonung und Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards zu tun hat. Da wird z.B. der Energie- und Rohstoffverbrauch eines Unternehmens in dessen „Nachhaltigkeits-Bericht“ veröffentlicht. Sofern damit echte und konkrete Anstrengungen verbunden sind, entschiedene Schritte auf das Ziel eines nachhaltigen Ressourcen- und Energieeinsatzes hin zu unternehmen, kann das ja noch angehen. Mir scheint aber, dass ein solches Ziel, wenn es überhaupt im Blick ist, in der Regel in unerreichbarer Ferne liegt – zumindest wenn man den klassischen (und wohl einzig sinnvollen) Nachhaltigkeitsbegriff zugrunde legt.

— Andererseits können unter dem Stichwort Nachhaltigkeit aber auch Ziele propagiert werden, die mit ökologischer oder sozialer Nachhaltigkeit rein gar nichts zu tun haben: nachhaltiges Wirtschafts-, Unternehmens-, Umsatz- oder Gewinnwachstum.

Fazit: Wo von Nachhaltigkeit die Rede ist, sollte man genau hinsehen, was konkret dahinter steht. Nachhaltigkeit im ursprünglichen Sinn und auch in der Definition der Brundtland-Kommission jedenfalls ist unvereinbar mit weiterem Wachstum von Rohstoffverbrauch und CO2-Ausstoss. Ohne entschiedene Schritte hin zu einer Postwachstumsökonomie wird solche Nachhaltigtkeit nicht zu erreichen sein.

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